Teil der Globensammlung der »Herzogin Anna-Amalia Bibliothek«

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  • 20. Juli, 2026 — JES 2026 - Drachenschlucht, Wartburg und die Irreführung des Tages - notiert von Zsófia aus Ungarn, Rike und Zoe aus Deutschland und Giacomo aus Italien

    Hey, wir sind Zsófia aus Ungarn, Rike und Zoe aus Deutschland und Giacomo aus Italien. Wir möchten Euch von unserem interessanten Sonntagsausflug während der Jungen Europäischen Sommerschule berichten. Dieser Sonntag begann für uns um 7:20 Uhr. Zu dieser Uhrzeit gibt es normalerweise zwei Arten von Menschen: Die einen, die noch schlafen, und die anderen, die sich fragen, was sie hier machen. Wir gehörten eindeutig zur zweiten Gruppe.

    Mit dem Zug ging es nach Eisenach, wo unser Abenteuer in der Drachenschlucht begann. Schon nach den ersten Metern sah alles aus, wie aus einem Fantasyfilm: Moosbedeckte Felsen und umgestürzte Bäume, auf denen wir auch geklettert sind. Wir gingen weiter durch enge Felsspalten und Grün. So viel Grün haben wir noch nie gesehen. Je weiter wir liefen, desto enger wurde die Schlucht … auch wenn ein Drache nirgends zu sehen war. Jedoch trafen wir einige freundliche Wanderer, mit denen wir ins Gespräch kamen. Wahrscheinlich waren sie genauso überrascht wie wir, dass plötzlich eine internationale Gruppe mitten im Wald unterwegs war – und etwas überfordert, als plötzlich 15 Jugendliche ihre Hunde streicheln wollten. International trifft auf unsere Gruppe ziemlich gut zu: die Teilnehmenden der JES kommen aus Deutschland, Italien, Frankreich, Ungarn, Rumänien und Lettland. Während einer Pause übten wir diese Vielfältigkeit aus und übersetzten Goethes »Wandrers Nachtlied« in unsere Muttersprachen und lasen uns das Gedicht gegenseitig vor. Und plötzlich erklangen Goethes Worte in vielen verschiedenen Sprachen; wahrscheinlich hätte auch Goethe das gefeiert.

    Nach dem Besuch der Drachenschlucht begann der sportliche Teil des Tages. Unser Dozent Herr Kahl meinte ganz entspannt: »Jetzt kommt nur noch eine Steigung.« Rückblickend können wir sagen: Das war die größte Irreführung des Tages. Hinter dieser »einen« Steigung warteten noch gefühlt 100 weitere. Irgendwann hörten wir einfach auf zu fragen, ob es jetzt endlich die letzte gewesen sei. Doch bald schon erreichten wir den Rennsteig und liefen weiter Richtung Wartburg. Der Weg dorthin entschädigte uns für die vielen Höhenmeter. Immer wieder hatten wir fantastische Ausblicke über den Thüringer Wald, perfekte Fotospots. Nach so vielen Kilometern hatten wir uns das Essen in einer Gaststätte mehr als verdient. Viele bestellten Wiener Schnitzel oder Kartoffelpuffer. Natürlich erklärte Giacomo sofort, dass die italienische Küche trotzdem die beste der Welt sei (wer es glaubt, Rike und Zoe sind von ihrer Deutschen Küche überzeugt). Darüber wurde natürlich ausgiebig diskutiert. Der Streit zwischen den kulinarischen Küchen wird aber wahrscheinlich immer bestehen bleiben.

    Nach einiger Zeit und – wer hätte es gedacht – noch mehr Steigungen hatten wir auch schon die Wartburg erreicht. Die Wartburg selbst war beeindruckend und ist definitiv einen Besuch wert. Viel Zeit zum Ausruhen blieb allerdings nicht, denn irgendwann mussten wir zur Bushaltestelle zurück. Und falls jemand denkt, bergab sei einfacher als bergauf, dann ist diese Person definitiv noch nie nach einer langen Wanderung bergab gestiegen. Unsere Knie verabschiedeten sich langsam in den Feierabend, während wir eher kontrolliert den Berg hinunterrutschten. Zeitweise sah das aus wie Michael Jacksons Moonwalk, allerdings ohne Musik und mit deutlich mehr Lachen als Gesang.

    Am Ende waren wir müde, unsere Beine kaputt und unsere Schrittzähler vermutlich kurz vor einem Burnout. Trotzdem war es ein richtig gelungener Tag. Wir haben wunderschöne Natur gesehen, eine der bekanntesten Burgen Deutschlands besucht, Goethes Gedicht in acht verschiedene Sprachen übersetzt und einmal mehr gemerkt, dass eine internationale Gruppe vor allem eines bedeutet: Viele Perspektiven, viele Sprachen und noch mehr Dinge, über die man gemeinsam lachen kann.

    P. S. Acht Sprachen waren es, weil Polina aus Lettland das Gedicht ins Russische und Giacomo aus Italien das Gedicht ins Spanische übersetzt haben.

    Rike und Zoe aus Deutschland und Giacomo aus Italien Zsófia aus Ungarn